EinBlicke

Hier teile ich in unregelmäßigen Abständen meine Einblicke, Gedanken und Ideen zu Themen rund um Supervision und Beratung.

Mein Coach ist ein Algorithmus!

Über Künstliche Intelligenz in der Beratung - von Wirkungen und Nebenwirkungen. 

Schon jetzt kommunizieren täglich Millionen von Menschen mit generativer KI. Und ich merke an meiner eigenen Arbeitsweise, wie ich spürbar mit immer mehr Selbstverständlichkeit die KI "um Rat" frage. Und dabei erlebe ich, wie sie in manchen Situtaionen nützliche Antworten liefert (vor allem bei technischen und digitalen Fragen), aber auch manchmal "halluziniert" und Vorschläge macht, die schlicht falsch sind. Und längst habe ich verstanden, warum sie sich so beliebt macht: die neue Technik kann einfach sehr gut mit Sprache umgehen und lässt uns denken, dass wir gut verstanden werden. Bei einer Weiterbildung im vergangenen Jahr wurden wir gefragt, wieviele der Teilnehmer*innen sich schon mal bei einer KI bedankt hätten: 80% hoben die Hand (ich selbst war auch dabei). Auch weil es ja heißt, dann gebe sie bessere Antworten ab. Aber unterm Strich bleibt, dass es sich einfach gut anfühlt, eine so bestärkende Kommunikation zu erfahren, die meist auch noch brauchbare und schnelle Tipps auf Lager hat. Man möchte meinen, dass es eine menschliche Antwort ist, die einem vorgeschlagen wird.

Ehrgeizig, bemüht, ausufernd ...

Folgende Erfahrung hat mich jüngst ins Grübeln gebracht: während der selben Weiterbildungseinheit sollten wir erste Emailantworten auf die Beratungsanliegen von Klient*innen schreiben. Gleichzeitig wurde zum Vergleich auch eine Antwort durch die KI generiert. Diese war, das hat uns wenig erstaunt, durchaus kompetent. Ein Eindruck brachte mich ins Grübeln: sie war, bei aller gefundenen Fachlichkeit, so unglaublich ehrgeizig, bemüht, gleich beim ersten Ergebnis ausufernde und "richtigen" Antworten zu "liefern". Kurze Zeit später wurde mir klar, was mich störte.

Berater*innen überfordern nicht

Professionelle Berater*innen werden Ihre Klient*innen nicht mit einer umfassenden Auflistung noch so sinnvoller Vorschläge überfluten. Sie werden sich nicht "anstrengen", möglichst vollständig alle im Netz gefundenen und neu synthetisierten Expertisen - oder im Analogen -  alle sich angelesenen Vermutungen, anzubieten. Sondern: sie nehmen die emotionale Verfassung ihres Gegenübers sensibel wahr, überfordern es nicht, ermitteln durch immer wieder neuem Nachfragen und Wahrnehmen, wie groß die Ressourcen gerade sind. Somit bleibt ein "menschliches" Beratungsangebot immer passgenau, einfach, weil wir von Mensch zu Mensch mit viel größerem Wahrnehmungsumfang die Situation und die Atmosphäre einschätzen können. Dass dabei die nonverbale Kommunikation (Gestik, Mimik, Tonfall) eine große Rolle spielt, braucht nicht eigens erwähnt zu werden.

"Du hast kein Herz"

Diese geschulte Wahrnehmungsfähigkeit wird meiner Meinung nach einen entscheidenden Unterschied zwischen menschlicher und KI-gesteuerter Beratung machen. Folgenden Satz lese ich immer wieder: "Eine KI denkt nicht" und ich will erweitern: sie fühlt auch nicht. Sie nimmt nicht wahr. Sie macht uns nur sehr gut glauben, dass sie das könnte. Der Schriftstelle Martin Suter hat einer KI geschrieben: "Du hast kein Herz!" Die clevere Antwort darauf soll gewesen sein: "Das ist richtig. Aber ich kann so tun als ob..."

Mir ist auch klar, dass wir hier erst die Anfänge miterleben. Jede Woche lernen die generativan KI's neu und mehr. Und die eigenen Entwickler*innen verstehen schon nicht mehr, wie sie eigentlich im tiefen Inneren funktionieren. Ich lehne die neuen digitalen Möglichkeiten gerade im Bereich der KI nicht ab. Ich bin der Überzeugung, dass wir als Menschen, gerade wenn wir beraten, die Anwendung gut reflektieren und bedenken und dann eine Haltung dazu entwickeln müssen, damit generative KI auch nützlich sein kann.  

Was mich darüberhinaus noch als Person, der Nachhaltigkeit am Herzen liegt, beschäftigt: KI ist nicht gegenstandslos und irgendwie unsichtbar. Sie wird "gefüttert" von Menschen in prekären Lebenssituation, meist in Ländern ohne soziale und berufliche Absicherung. "Clickworker" werden sie genannt. Sie trainieren tagein tagaus die "KI". Informationen über den immensen Energiehunger von KI-Systemen dringen immerhin mehr in unser Bewusstsein... (ein KI-Prompt verbraucht zwischen 100 und 1000 Mal mehr elektirsche Energie als eine normale Suchmaschinenanfrage).

Das Thema ist sicher noch vielschichtiger, als ich es hier zu beschreiben vermag. Es sind einfach meine eigenen (menschlich produzierten) Gedanken.

(Text ganz ohne KI erstellt;)

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Interview zum Thema Zeitenwende

Anfang Dezember wurden mein Kollege und ich im Rahmen meiner hauptberuflichen Tätigkeit zum Thema "Zeitenwende" interviewt. In der Weihnachtsausgabe des Gemeindebriefs der Pfarrei St. Elisabeth in Postbauer-Heng ist das Interview auf den Seiten 14 und 15 veröffentlicht. Es hat mich sehr gefreut, Gedanken zu teilen zu den Themen: Bedeutung von "Zeitenwende" in unserer Arbeit, Neue Fragen, Unischerheiten und Rollenbilder in Beratung, Coaching und Weiterbildung, notwendige Kompetenzen und Haltungen, um die Zeitenwende zu gestalten, was sich verändern muss und welche Themen stabil bleiben, und schließlich, welche Bedeutung "Zeitenwende" für mich persönlich in der Weihnachtszeit hat. Die PDF und das interview (S. 14/15) sind hier zu finden. Danke an Christoph Härtl für diese schöne Gelegenheit, diese Themen zu teilen!

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